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Wetterapps für Radfahrer und Läufer im Test

12. Juni 2015 Kommentare (4) Allgemein

Fahrradträger für den Radtransport im Selbstbau

Ich denke vielen kennen das Problem: kleines Auto und keine Anhängerkupplung – und dennoch möchte man mit dem Rennrad gern mal in das Gebirge oder einfach zu einem Rennen, dass nicht unmittelbar vor der Haustür beginnt. So erging es auch mir. Bisher habe ich das Vorderrad ausgebaut und das Rad in den Kofferraum geschoben. Hierzu musste natürlich die Rückbank umgeklappt werden und die nutzbare Fläche für Gepäck war bei 0,0. Um einmal allein schnell in den Harz zu fahren sicher OK, aber spätestens bei einem ausgedehnten Urlaub zu zweit nicht mehr machbar.

Was kann man machen?

  1. Anhängerkupplung nachrüsten
  2. Dachträger kaufen
  3. Fahrradträger kaufen/bauen

Da bei 1. und 2. die Räder bei Wind und Wetter draußen sind und Fliegen, Dreck und Wasser sammeln, habe ich mir für längere Fahrten etwas anderes gewünscht. Im Netz wurde ich fündig unter dem Stichwort „Fahrradträger“. Einige Firmen haben hier ihre Systeme für verschiedene Fahrzeuge im Angebot. Allerdings zu Preisen, die doch um einiges über den Materialkosten liegen. Soweit ist das auch in Ordnung – ich unterstütze gern deutsche Ingenieurskunst – da ich aber einen ausgesprochenen Basteltrieb habe und die Konstruktion keine Raketenwissenschaft darstellt, habe ich mich zu einem Selbstbau entschlossen. Vorweggenommenes Fazit: Es funktioniert bestens. Bei gerade einmal 50€ Kosten für mich die ideale Lösung.

Der Träger sollte an meinen BMW 1er (E87) passen, andere Hersteller haben evtl. andere Aufnahmen für ihre Rückenlehnen und bedürfen dahingehend Anpassungen. Ich habe zunächst im Netz die benötigte Hardware geordert. Kleinteile (Schrauben, Muttern, Unterlegscheiben) habe ich vom örtlichen Bauhaus. Meine BOM sah folgendermaßen aus:

Inklusive Versandkosten lag ich knapp über 50€ – ich denke ein super Preis für die Möglichkeit 2 – 3 Rennräder sicher im Auto transportieren zu können ohne sie übereinander legen zu müssen.

Zusammenbau

  1. Schritt – die Bügel am Profil befestigen

Da die Aufnahmen für die Rückbankarretierung am BMW nicht gleichmäßig tief sind, musste der Bügel soweit außen wie möglich in die Arretierung greifen. Ich habe an beiden Seiten die Länge abgemessen und je 2 8mm-Bohrungen vorgenommen. Anschließend konnten die Bügel festgeschraubt werden.

Bohren der 8mm-Löcher Bohren der 8mm-Löcher

U-Bügel in der Rücksitzarretierung U-Bügel in der Rücksitzarretierung

  1. Schritt – die Vorderradnaben ausbauen

Da separate Hohlachsen und Schnellspanner teurer waren als eine neue Deore-Nabe, muss diese erst auseinandergenommen werden. Hierzu einfach mittels Gabelkonus die Nabe lösen und herausziehen. Da ich solch Spezialwerkzeug nicht habe, habe ich einfach 2 Muttern gekontert und damit die Nabe geöffnet. Zuletzt sollte man die Hohlachse noch ordentlich entfetten.

  1. Schritt – die U-Träger bohren

Die Profile bekommen an den Stirnseiten zwei 9mm Löcher für die Hohlachsen der Vorderradnaben. Mangels CNC-Maschine entschied ich mich gegen Langlöcher auf dem Boden für eine nachträgliche Verschiebbarkeit des Profils und machte 4x 6mm-Löcher (je 2 pro Nut). Angezeichnet habe ich die Löcher während vorn das Rad verbaut war. So konnte ich die spätere Lenkerposition sowie den allgemeinen Sitz des Rades im Auto festlegen.

2015-06-04-17.42 Löcher für Montage an Profilschiene angezeichnet, gebohrt und mit Kegelsenker entgratet

  1. U-Träger und Profil verheiraten

Mittels der Nutensteine und M6-Schrauben werden nun die U-Träger am Profil verbunden. Hierzu erst die Nutensteine in die Nuten schieben und anschließend die Abschlussdeckel am Profil befestigen. Nun können die Träger angeschraubt werden. Wenn nur ein Rad transportiert werden soll, kann wahlweise der zweite Halter wieder demontiert werden. Perfektionisten kürzen noch das Gewinde der U-Bügel 😉

fertiger Radträger beim Probesitzen fertiger Fahrradträger beim Probesitzen Rad steht sicher und kompakt im Kleinwagen Rad steht sicher und kompakt im Kleinwagen

Erster Einsatz

Kurz nach Fertigstellung konnte sich der Selfmade-Träger gleich bewähren, galt es doch, die knapp 700km in das schöne Zillertal zu bewältigen. Fazit: Sowohl auf der Autobahnfahrt als auch auf den Serpentinen hoch in die Ferienwohnung stand das Rad tadellos im 1er. Ich musste auf Grund der geringen Höhe im Innenraum lediglich die Sattelstütze entfernen. Ein Umstand, mit dem ich leben kann. Meine ideale Sitzhöhe habe ich ohnehin mit einem kleinen Edding-Punkt markiert. Es war auch noch genug Platz für all die anderen Utensilien vorhanden, die bei einem 2-wöchigen Urlaub notwendig sind.

Platz ist auch im kleinsten Auto

Platz ist auch im kleinsten Auto

Das Rad war während der gesamten Fahrt gut gesichert

Das Rad war während der gesamten Fahrt gut gesichert

4 Reaktionen auf Fahrradträger für den Radtransport im Selbstbau

  1. Daniel sagt:

    Wirklich praktisch – ich hab mich beim letzten Urlaub für die Quick&Dirty-Version entschieden – auch stehend, allerdings nur befestigt mit Spanngummis – und vorher schön die Rohre umwickelt. War eine ganz schöne Arbeit.

    Vielleicht sollte ich das auch mal angehen – ein Dachträger steht seit ca. 1 Jahr unausgepackt im Keller. Ich glaube so schnell werde ich den auch nicht in Benutzung bringen – dann vllt. besser so eine Lösung.

    • Daniel sagt:

      es ist auf jeden Fall eine unkomplizierte und saubere Sache. Bei 2 Wochen Urlaub kann man nicht garantieren trocken nach Hause zu kommen und ich möchte weder die Kettenschmiere auf meinem Autodach noch das schöne Rad den Elementen aussetzen. Zudem stört es so nicht mal kurz >160km/h zu fahren 😉

      Die Quick&Dirty-Version spukte mir auch durch den Kopf. Das U-Profil mit dem Schnellspanner einfach auf eine 1cm dicke Spanplatte schrauben und diese mit Gummibändern oder Spannseilen um einen umgeklappten Rücksitz sichern.. So könnte immerhin ein Dritter mitfahren..

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  1. […] bei schwüler Hitze die Sachen gepackt und alles doppelt gecheckt. Zudem gleich das Auto mit dem Radträger versehen, so dass ich am Morgen nur noch fix den Rucksack und das Bike schnappen musste und […]

  2. […] bin in Verzug! Wie man meinem Beitrag über den Radträger entnehmen konnte, war ich im Juni im Zillertal im Urlaub und hatte mein Rennrad mit. Neben einigen […]

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