Wetterapps für Radfahrer und Läufer im Test

Weisheitszahn-OP – Zwangspause

19. Juli 2015 Kommentare (2) Allgemein, Radtouren

RTF Adlerrunde 2015

Auf der Suche nach RTFs in der Nähe (und die sind hier eher spärlich gesät) stieß ich auf die RTF Adlerrunde des „RSV Adler“ . Nach einen paar gesammelten Höhenmetern im Zillertal sowie im Thüringer Schiefergebirge war ich eigentlich ganz gut für die „höchste Herausforderung Norddeutschlands“ gewappnet. Jedoch war ich bezüglich der Streckenlänge nie ganz sicher, was ich wählen sollte. 80km wären eine sichere Bank, 150km sicher eine Herausforderung. Die 115km weder Fisch noch Fleisch. Das Höhenprofil der 150km-Runde sah sehr gut aus. Der Veranstalter wirbt mit 2.500hm. Mein Garmin zeigt am Ende ca. 2.200hm an, meinte aber auch, das Torfhaus auf 765m läge und nicht auf 805 gemäß Ortsschild.

20150718_adlerrunde_hoehe

Anfahrt und Anmeldung

Ich habe in der letzten Woche ständig das Wetter gecheckt und dabei gleich noch einen kleinen Test für Wetter-Apps durchgeführt. Am Freitagabend um halb 10 noch bei schwüler Hitze die Sachen gepackt und alles doppelt gecheckt. Zudem gleich das Auto mit dem Radträger versehen, so dass ich am Morgen nur noch fix den Rucksack und das Bike schnappen musste und losfahren konnte. 5:15 Uhr stand auf dem iPhone, als dieses unbarmherzig meinen Schlaf beendete. Nochmals Wetter checken – sieht nach 50:50 Chance aus da trocken durchzukommen. Gegen 6 Uhr brach ich nach einem Müsli-Frühstück zur Anfahrt nach Goslar auf. Unterwegs begleitete mich herrlicher Sonnenschein, jedoch sollte es sich bis zum Start noch verdunkeln.

Aufbruch zur RTF Adlerrunde Aufbruch zur RTF Adlerrunde

Dort angekommen fix zur Anmeldung und die Startnummer und die Stempelkarte geholt. Dann das Rad aufgebaut und den Garmin gestartet und den Powermeter kalibriert. Dieser erwies sich auf der Strecke als echter Gewinn, da ich das überstürzte Anfahren am Fuße der Anstiege nicht mitging und so auf den teilweise langen Rampen nach und nach andere Fahrer überholen konnte. Ich nahm mir vor, mit etwa 240W in die Rampen zu gehen, aber dazu später mehr.

Start der RTF Adlerrunde

Auf der Autofahrt habe ich bereits begonnen, mich übermäßig zu hydrieren. Ein Zwischenhalt auf der 1h langen Anfahrt war notwendig. Das gleiche Spiel bereits nach der Anmeldung. Nach dem Start dauerte es auch nur 42 Minuten, bis sich die Blase wieder meldete. Dies führte aufgrund meiner Taktik ganz am Ende zu starten dazu, dass ich bald alleine da stand. Vor mir die große, ambitionierte Gruppe, an die ich mich eigentlich halten wollte und hinter mir die Fraktion „Käffchen und Kuchen“. Also bereits nach 16km erst einmal allein die Okertalsperre umfahren. Ab und an kam wieder ein Radfahrer in Sicht und ich versuchte mich dran zu hängen, allerdings stellte ich schnell fest, dass deren Tempo mir nicht lag und diese wiederum nicht gewillt waren, mit mir im Wind etwas zu arbeiten. Glücklicherweise erreichte ich doch noch ziemlich flott den Anstieg hoch nach Torfhaus. Eine super Streckenplanung führte das Feld über einen asphaltierten Waldweg mit ca. 369hm hoch nach Torfhaus, wo auch die erste Kontrollstelle auf uns wartete. Bereits bergauf konnte ich an vielen vorbeiziehen und war überrascht, wie viele noch an der Kontrollstelle waren.

Ich wollte nicht viel Zeit verlieren und nach dem Abstempeln, Auffüllen der Flasche sowie dem Verschlingen von 2 Kuchenstücken ging es für mich gleich weiter bergab Richtung Sonnenberg. Leider war niemand mir gefolgt und ein kleines Grüppchen vor mir bog auf die 115km-Runde in Sonnenberg ab. Nun rollte ich an die Gabelung und war mir unsicher, ob ich dann allein die 150km-Runde fortsetzen soll oder doch die 115er nehme und zumindest eine kleine Gruppe dabei habe. Etwas unsicher bog ich dann doch nach links ab auf die lange Runde und grübelte noch eine Weile über ein Umdrehen nach. Schließlich beschloss ich den Weg fortzusetzen. Jedoch war weit und breit kein Mitstreiter zu sehen. Zu allem Verdruss stürzte mein Edge810 ein zweites mal ab, als ich den Zoom des Kartenausschnittes einstellen wollte.

Und so radelte ich bis kurz vor St. Andreasberg alleine auf der Landstraße, bemüht, den Leistungsmesser nicht unnötig über 200W klettern zu lassen. Kurz vor dem Ort sah ich dann vorn zwei Radler und schloss schnell auf. Allerdings währte dieses kleine Gruppetto nur etwa 1km, denn ich sah den Abzweig zu spät und beim Bremsen fingen meine Hinterrad- und kurz darauf meine Vorderradbremse extrem laut zu quietschen an. Quietschen ist vielleicht falsch – es wäre mehr so als würden alle Nachtigallen des Harzes am Straßenrand sitzen und meinen Verzögerungsversuch lautstark kommentieren. Hört sich lustig an, fühlt sich aber bei 8% Gefälle erst mal doof an. Kurzer Check nach dem Abstoppen: Belege OK, Felgentemperatur OK, Abstände OK – kein Fehler erkennbar. Also wieder den Berg hoch und den Beiden hinterher.

Nach einer sehr lauten Serpentinenfahrt (Bremsleistung war super, aber das Quietschen..) schloss ich wieder bei den Beiden auf und war weiterhin der Meinung, dass wir das Ende der RTF Adlerrunde darstellen würden. Wir fuhren abwechselnd weitere 2km im Wind und plötzlich dieses Knattern. Das Knattern, dass den Ausreißern bei der Tour de France ordentlich den Tag versaut, aber für mich so gelegen kam – eine riesen Gruppe von ca. 30 Fahrern näherte sich mit einem ordentlichen Tempo von hinten und löste uns ab. Sofort habe ich mich hinten dran gehängt und es ging mit 35km/h bei lediglich 160W dahin. Endlich nicht mehr allein unterwegs! Von nun  an nahm ich mir vor, immer bei der Gruppe zu bleiben um nicht wieder allein da stehen zu müssen.

Den folgenden 9,5km langen Anstieg zurück nach St. Andreasberg (301hm) konnte ich mit durchschnittlich 219W treten. Hierbei holte ich in der Gruppe bis auf ein paar Vordere eigentlich alle auf und war oben dann in der Mitte der Gruppe auf dem Weg Richtung Herzberg. Auf Grund meiner singenden Bremsen fuhr ich eher defensiv hinab und ließ die ersten 5-6 Mann ziehen. Nur musste ich mit Verwunderung feststellen, dass der Rest der Gruppe nicht mehr hinter mir war – das kann doch nicht wahr sein.. Lediglich 2 Fahrer fanden sich und wir fuhren allein das flache Teilstück Richtung Osterode. Auf den ersten 2km wechselten wir uns noch ab und an ab und ich fuhr mit durchschnittlich 114W einen Schnitt von 36km/h. Danach verließ man sich auf mich und machte keine Anstalten mehr, selbst in den Wind zu gehen. Die Folge: ein 32er Schnitt von mir mit 220W über 9km. Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen sollte.

Mein K(r)ampf mit dem letzten Anstieg

Ich fühlte mich aber noch super und irgendwie machte es ja auch Spaß. Der anschließende und vorletzte Anstieg über 295hm war mit 234W im Mittel wahrscheinlich auch zu heiß angegangen, aber man will ja auch irgendwann nach Hause und verdammt mir tat der Ar*** weh! In Clausthal-Zellerfeld dann der letzte Kontrollpunkt beim THW. Es gab wiedermal alles, was das Herz begehrte! Schnitten, Bananen, Xenofit Carbo-Gel, Melonen und Isodrinks ohne Ende. Ich tankte nochmals in die leerer werdenden Speicher und fuhr nach 12 Minuten Pause weiter. Von nun an weiß ich nicht wirklich, was der Auslöser war – die lange Zeit im Wind oder die zu lange Pause. Auf jeden Fall schoss mir nach der Abfahrt zur Okertalsperre beim erneuten Treten ein höllischer Krampf in den rechten Innenschenkel. Das war etwa bei KM 120 und ich dachte innerlich an DNF und Anruf beim Besenwagen (den stellte übrigens das THW und dieser fährt die Teilnehmer für 5€ zum Startplatz). Ich nahm an Druck raus und erhöhte die Trittfrequenz. Dies linderte die Krampfneigung aber nicht. Auf einer Verkehrsinsel hielt ich kurz an und dehnte mich. Als über die Brücke eine kleine Gruppe ankam, stieg ich wieder auf das Rad und kurbelte locker hinterher.

Die Streckenplaner hatten hier nochmal eine kleine Gemeinheit eingebaut. Anstatt der ebenen Bundesstraße zu folgen, führte unser Weg parallel einen kleinen Stich mit 8% hoch. Von der Aussicht her sicherlich schön, aber gerade alles andere als das, was ich gerade brauchte. Aber ein langer Anstieg stand ja eh noch an und dieser war mit 180hm nochmals eine Spur schärfer. Ich war zu diesem Zeitpunkt an dem Punkt angelangt, dass das pure Erreichen der Kuppe allein reicht und Bestleistungen eh nicht mehr zu erwarten waren. Ich unterhielt mich also mit einem älteren Mitradler. Dieser war ebenfalls mit einem Cannondale und Sram unterwegs und so war das Eis schnell gebrochen. Es vergingen einige Kilometer und mit diesen auch die Krampfneigung. Etwa auf der Hälfte des Berges verabschiedete ich mich und steigerte meine Leistung von 176W auf 236W. Es ging wieder weiter!

Nach einer kurzen Abfahrt folgte dann die Kür: die letzte kurze Rampe hoch zum Hahnenklee. Mit 88hm auf 2% Steigung eher etwas zum Schmunzeln, aber nach 134km dann doch eine kleine Herausforderung. Locker pedallierend mit 90U/min und 208W kurbelte ich Stück für Stück nach oben. Verstohlen warf ich immer wieder Blicke auf das Höhenprofil des Edge. Hat das dann nie ein Ende?! Aber kurz vor der Kuppe dann die Gewissheit: „Das schaffst Du heute – noch ein paar Meter und dann nur noch bergab und ins Ziel“. Hier kam dann das erste mal auf dem Rad das, was ich sonst nur vom Laufen her kannte -ein runner’s high – oder besser biker’s high?

Das Ende ist schnell erzählt: von 550hm auf 200hm auf bestem Asphalt. Auf Grund meiner enormen Hangabtriebskraft noch den ein oder anderen überholt und dann völlig gelöst durch das Ziel. Startnummer zurückgegeben, Finisher Shirt geholt und das Rad verstaut.

Mein Fazit zur RTF Adlerrunde 2015

Die RTF Adlerrunde ist eine liebevoll organisierte Tour durch den schönen Harz. An den Verpflegungsstellen warteten gut gelaunte Helfer mit einer Fülle von Leckereien auf die ebenfalls gut gelaunten Teilnehmer. Den Termin für das nächste Jahr werde ich mir schon vorab dick im Kalender markieren!

2 Reaktionen auf RTF Adlerrunde 2015

  1. Daniel sagt:

    Toller Bericht. So eine RTF hat schon so einen eigenen Charme. Aber das Thema als Einzelfahrer eine passende Gruppe zu finden ist wirklich nicht ohne.
    Mir geht es eigentlich fast jedes mal so, wie Du es beschreibst – meist geht keiner das eigene Tempo mit oder man hangelt sich hinter einem zur nächsten Gruppe und verweilt dort.

    Wirkliche Teamarbeit über längere Strecken hab ich zum ersten mal bei der letzten RTF erlebt, bei der wir dann zu 5 die letzten 7-8km knackig ins Ziel gebrettert sind.

Trackbacks
  1. […] der Teilnahme an der RTF Adlerrunde 2015 im letzten Jahr in Goslar war wider aller körperlichen Erschöpfung nach der Zieldurchfahrt […]

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