RTF Adlerrunde 2015

RTF Adlerrunde 2016

15. April 2016 Kommentare (4) Radtouren

Stilfser Joch (Stelvio) 2.798m und Umbrailpass

Stilfser Joch und Umbrailpass

das Wichtigste in Kürze

Länge: 64km
Höhenmeter: ~1.881m
Dauer: ca. 3:45h

Aktivität auf Strava: KLICK
Route auf gpsies.com: KLICK


Anstieg auf Quäldich.de

Wir waren im letzten Spätsommer im Vinschgau (Reschen) im Urlaub und all die tollen Fahrten und Wanderungen haben bisher noch nicht den Weg hier in den Blog gefunden. Da nun der Umzug und die Einrichterei fertig sind, möchte ich meine Rennradtour über das Stilfser Joch und dem Umbrailpass mit Euch teilen.

Der „Passo dello Stelvio“ wie er auch im Italienischen genannt wird, ist lt. Wikipedia der höchste Gebirgspass in Italien und der zweithöchste asphaltierte Gebirgspass in den Alpen. Die durchweg gute Streckenbeschaffenheit mit den 48 Kehren sowie der grandiose Ausblick in das Ortlergebirge führten auch dazu, dass Top Gear diese Passstraße zur schönsten der Welt erklärte.

Die Auffahrt zum Stelvio hatte ich bereits bei der Urlaubsplanung als mögliches Rennradhighlight des Jahres 2015 auserkoren. Einen solchen Pass fährt man als Flachländer nun mal nicht alle Tage. Wie eingangs angedeutet hatte sich allerdings seit meiner Weisheitszahn-OP trainingstechnisch nicht mehr viel ergeben. Ständige Termine wegen der Wohnung und beim Notar ließen nicht mehr viel Freiraum für das Training. Aus dem Rennradhighlight, bei dem ich dem Berg mal zeigen wollte wie ein windgestählter Elbkosar die paar Höhenmeter abspult, wurde dann eher ein: „hoffentlich komme ich oben an ohne umzukippen“.

Langsames Einrollen

Gestartet habe ich meine Tour in Glurns. Hier gibt es gegenüber der Freiwilligen Feuerwehr an der St. Pankratiuskirche einen netten Parkplatz. Ich glaube das Tagesticket lag bei 3-4 €. Von dort aus konnte ich direkt auf perfekt geteerter Straße gen Prad am Stilfserjoch aufbrechen. Die ersten 6km verflogen mit seichtem Rückenwind und ein klein wenig Gefälle. Ideal um die Beine auf die kommende Tortur vorzubereiten und aufzuwärmen. Da ich zunächst mit mir selbst sowie dem Beobachten der Apfelernte beschäftigt war, habe ich das Castello in Lichtenberg auf halben Weg komplett übersehen. Am Ortseingang von Prad waren 10% der Gesamtstrecke des Tagesvorhabens bereits in der Tasche – aber so einfach sollte es nicht weitergehen.

Landstraße von Glurns nach Prad am Stilfser Joch

Prad am Stilfserjoch war zu dieser Tageszeit – es war erst kurz nach 10 Uhr morgens – noch ein verträumtes Dörfchen. Die Strada Statale 38 dello Stelvio (kurz SS 38) spuckte ab und an bereits die ersten Testfahrzeuge und Erlkönige aus, die sich auf den Weg zur Passhöhe machen sollten, ehe die gemeinen Touristen die Straßen verstopfen. Auch die ersten Radler kamen mir vom Berg entgegen. Wahrscheinlich haben sie in Gomagoi oder Sulden übernachtet und sind nun auf dem Rückweg. Ich hoffe inständig, dass die Verrückten nicht schon vor dem Frühstück den Pass bezwungen haben und nun ihrem Tagewerk nachgehen.

In Prad selbst sind die Straßen geprägt vom Durchgangstourismus. Für viele Rennradsportler beginnt hier das „Abenteuer Stelvio“ und viele Motorradfahrer genehmigen sich hier vor oder nach der Kurvenräuberei eine Pizza. Ich hatte bestens gefrühstückt und angesichts der etwas trostlosen Leere im Dorf sah ich auch keine Gründe, hier ein paar Fotos zu schießen. Rechts ab auf die SS 38 Richtung Joch war die Devise. Gleich nach der Kreuzung vernahmen meine Waden die ersten Höhenmeter der Tour, ganz seicht, nichts Fieses, aber es geht bergan. Am Ortsausgang dann das bereits hundertfach gesehene Schild: „Passo Stelvio Aperto“ – der Pass ist offen und befahrbar.

Passstraße an Stilfser Joch geöffnet

Nicht, dass mich das gewundert hätte, habe ich doch vorab zuhauf alle möglichen Wetterinformationen gecheckt. Abermals vertraute ich dem Testsieger meines kleinen App-Checks. Mit Bergfex konnte ich gleich alle möglichen Webcams auf dem Pass einsehen und meinen Aufstiegstag danach planen. Definitiv ein Vorteil, wenn man zwei Wochen vor Ort ist und sich die beste Zeit herauspicken kann. Als wir in Südtirol ankamen, lagen oben auf der Passhöhe im Schatten der Häuser noch Schneereste. Ich war im Nachgang sehr froh den Pass am 18.  September angegangen zu sein, denn nur wenige Tage später gab es wieder Schnee und dieses mal runter bis auf 1.600m.

Das Schild jedenfalls ließ ich hinter mir und machte mich auf nach Gomagoi. Mit einem Schlag war sie da, die Ruhe und die Natur, als wären mit dem Verlassen des Ortes auch alle Geräusche menschlicher Siedlung verstummt. Nur noch das Rauschen des Baches neben der Straße und dessen kühlende Gischt. Und eine Straße, die langsam anfängt mir Höhenmeter vor die Räder zu werfen. Auf den 6km bis nach Gomagoi sammeln sich so bereits 335hm an und auch der Puls kommt langsam in Wallung. Spätestens bei der Überquerung des Baches bei „Stilfser Brücke“ muss ich mir eingestehen, dass die angeschlagenen 220W etwas zu viel sein würden, möchte ich oben nicht komplett platzen. Der Edge 810 zeigt bereits 179 Schläge/min an und ich beschließe ein größeres Ritzel aufzulegen. Mein vorletztes Ritzel um genau zu sein. Nach 3km war ich bereits kurz vor dem Rettungsritzel angekommen – „na das wird sicher lustig“ dachte ich mir..

Bei Gomagoi wurde die Straße aber wieder für ein Stück flacher und ich konnte die Trittfrequenz erhöhen und zeitgleich die Herzfrequenz verringern. Einmal 150 Watt anschlagen ohne umzukippen war sehr entspannend und die Blicke konnten in die beiden sonnenbeschienenen Täler schweifen. An dieser Stelle teilen sich nämlich linke Hand das Suldental und das Trafoital vor mir auf. Da wir erst später planen nach Sulden zum Ortler zu fahren, halte ich mich weiter auf der rechten Seite und durchquere den kleinen Ort zügig. OK, Ort ist vielleicht zu viel des Guten. Die Ansammlung von Hotels und Ferienwohnungen.

20150918104154_Stelvio_003

Countdown zur Passhöhe beginnt

Ab hier beginnt nun auch offiziell der Aufstieg zum Stilfser Joch. Hinter Gomagoi werden nämlich die Serpentinen bis zur Passhöhe nummeriert und gezählt. 48 Stück stehen mir also ab nun noch bevor. Kurz hinter der Abzweigung nach Sulden schlängelt sich ein kurzer Tunnel entlang des Felsens. Ich bin in solchen Situationen immer sehr froh, eine kleine Rückleuchte dabei zu haben, damit ich nicht im Dunkeln übersehen werde. Der Tunnel hat aber immerhin einen kleinen „Fußweg“. An diesem musste ich auch kurz halten, da ich von vorn lautes Hupen und viele Lichter mir entgegenkommen sah. Ich hoffte nur, dass die verfeindeten Testfahrer von BMW und Opel jetzt kein Rennen fahren würden, aber meine Befürchtungen waren völlig unbegründet.

Wie bereits erwähnt, ist es Mitte September und die Hirten holten ihre Schafe von den Wiesen herunter in die Ställe. Das Schauspiel war echt lustig anzusehen und ich empfand wahnsinniges Mitleid mit den Knien der Hirten, die im besten Lauftempo auf der Straße bergab rannten. Das wären immer die Momente, bei denen es bei mir vor knapp einem Jahr noch gehörig in das Schmerzzentrum schoss. Aber mit ITBS haben die Hirten anscheinend keine Probleme gehabt.

Vorbei an Trafoi warf sich die Straße in immer engere Windungen. Der Bach, der bis dato steter Begleiter der Straße war, verstummt allmählich und wird unten zurückgelassen. Ab jetzt nimmt die Steigung langsam Fahrt auf und nach mittlerweile gut 600hm ist man „am Berg angekommen“. Nun war es auch kurz vor der Mittagszeit und die Sonne wollte noch einmal zeigen, dass sie dem Bergwinter noch trotzen kann. Das Thermometer des Edge zeigte etwa 17 Grad an. Immerhin befand ich mich da schon auf 1.670 Meter über dem Meeresspiegel. Mein Langarmtrikot von Gore mit Windstopper zog ich dennoch nicht aus. Zum einen war ich bei einigen Kehren im schattigen Wald und zum anderen blies der Wind an den talwärts liegenden Kehren kühlere Luft von den Bergen herab.

Spitzkehren am Stilfser Joch Höhe Trafoi

Mittlerweile nahm auch der motorisierte Verkehr zu. Zu den Erprobungsfahrten großer Automobilhersteller gesellten sich nun zusehends Motorradfahrer, die, so ist es ja Sitte, mit ordentlich frisierten Abgasanlagen sich bereits von Weitem ankündigten. Neben der akustischen Vergewaltigung des Naturparkes kam dann und wann auch noch eine feuchtwarme, stinkende Wolke an Verbrennungsabgasen hinzu. Glücklicherweise war es freitags und die Masse an Wochenendbikern war noch nicht im Anmarsch.

Es wird langsam anstrengend

Nun also nicht mehr ganz so allein, kämpfte ich mich weiter den Berg empor. Seit dem Tunnel bin ich die 8km bis zur Baumgrenze mit durchschnittlich 220 Watt gefahren. Der Plan mit dem lockeren Fahren hielt für genau 400m in Gomagoi. Der Puls lag in dieser Zeit im Schnitt bei 175 bpm. In der Spitze sogar 185 bpm. Aber ich fühlte mich weiterhin gut und bin bis dato auch ohne Pause gekurbelt. Auf insgesamt 1.080hm addierte der Garmin nun die Rampen, als ich auf einer Höhe von 2.000m NN auf die Trafoier Eiswand blickte.

Serpentinen am Stilfser Joch

Ab jetzt wurde die Landschaft ausgesetzter und die Serpentinen spitzer. Innenkurve, aus dem Sattel und drücken, wieder setzen und weiter drehen, dann endlich ein kleines Flachstück in Form der Außenkehre und nun weiter kurbeln bis das Spiel wieder von vorn beginnt. Durch die extrem verschlungene Straßenführung macht man auf kleinstem Gebiet ordentlich Höhenmeter. Ich bin nun knapp 2 Stunden lang unterwegs gewesen und bräuchte eine kleine Pause. Das Drehen der Kurbel wird langsam mühselig und das letzte Rettungsritzel ist schon längst aufgelegt. Mit einer Übersetzung von 39/32 ist eine Trittfrequenz von 60 u/min aber das Maximalste, was ich zu leisten im Stande bin.

Rast am Stilfser Joch

Ich suche mir eine nette Kehre mit einem guten Ausblick aus und klicke aus. Endlich mal wieder stehen, den Rücken durchdrücken und jeden einzelnen Wirbel spüren. In meinem kleinen Trinkrucksack habe ich zwar kein Trinken mitgeführt, wohl aber eine kleine Ration an Snickers. Der Moment, wenn Du in dieser Landschaft mit diesen Strapazen in ein Snickers beißt – unvergleichlich! Nachdem ich dann noch den Inhalt meiner ersten Trinkflasche im Gebirge gelassen habe, schwinge ich mich wieder auf mein Cannondale. Anfahren bei 8,3% Steigung ist auch eher etwas für Masochisten.

Drei Kehren nach meiner Rast kommt das Berghotel Franzenshöhe in Sichtweite. Hätte ich dies früher gewusst, hätte ich meine Pause noch um 3 Minuten nach hinten geschoben. Das Berghotel beschreibt den Punkt der Tour, ab welchem man die Passhöhe mit dem Alpengasthof Tibet sowie dem Hotel Stilfser Joch sehen kann. Das Tückische hierbei ist, dass man in reiner Luftlinie bereits 4/5 des Weges von Prad zum Pass bewältigt hat, die letzten 1/5 allerdings durch ihre 21 Kehren ab dem Berghotel nochmals für 6,7km Kletterfreude sorgen.

Blick auf die Passhöhe des Stilfser Jochs

Der letzte Akt

Gestärkt durch das Snickers und um ein gefühltes Kilogramm leichter, trat ich so dann den letzten Akt des Anstieges an. Da mich während meiner kurzen Auszeit drei Radfahrer überholten, konnte ich direkt mit der „Verfolgungsjagd“ beginnen. Die drei konnte ich ca. 2km stellen und überholte sie mit dem Gefühl gerade das gepunktete Trikot der Tour de France gesichert zu haben. Was ich etwas vergaß war, dass ich nun auch weiter so souverän wie ich vorgab zu sein weiterfahren musste, andernfalls drohte die Schande des Überholtwerdens.

Blick in von der Stilfser Joch Straße

Der Puls nahm vorsichtshalber bereits Reißaus und ich fand ihn in Sphären von 185/186 Schlägen wieder. Nun machten sich zudem auch noch die Waden bermerkbar, die mir die andauernde Laktatanreicherung mit einem nervösen Zucken langsam übel nahmen. Das war dann auch das letzte Streckenstück, welches ich mit einer Leistung von >200 Watt treten konnte. Jegliches Übertreten dieser Schwelle ließ meine Waden krampfen. Ein Blick nach hinten verriet mir allerdings, dass meine drei Verfolger ebenfalls nicht mehr auf der Höhe ihrer Kräfte waren und sich eine Auszeit gönnten – puh, Glück gehabt.

Jetzt fing auch ich an jede Kehre nach der ihr zugewiesenen Nummer abzusuchen. 14 noch bis zum Pass. Ab hier war ich dann immer wieder hin- und hergerissen zwischen Anhalten und ein Foto des atemberaubenden Blickes schießen oder weiterfahren und nicht erneut am Berg anfahren zu müssen.

Die letzten Kehren vor dem Stilfser Joch

Einige der Rampen ließen die Anzeige der Steigung im Garmin auf Wertebis zu 12-13 % hochschnellen. Hier galt es dann möglichst weit im Kurvenäußeren mein Glück zu suchen. Die Fotos können leider nicht annähernd wiedergeben, wie steil die Rampen teilweise waren. An dieser Stelle ärgerte ich mich ein wenig, dass ich nicht noch öfter im Harz gewesen bin, um einige Höhenmeter zu sammeln.

Meine Waden zuckten nun immer häufiger und ich musste sogar einmal ausklicken um einen Krampf zu lösen. Glücklicherweise konnte ich danach schmerzfrei weiterfahren. Zwischen dem Optimismus nach meiner Pause und der jetzigen Erschöpfung lagen nur knapp 40 Minuten Kurbeln. Das waren aber genau die 40 Minuten, die mir aufzeigten, wo meine Belastungsgrenze an diesem Tag lagen.

kurz vor der Passhöhe

Bei einer Trittfrequenz von 42 u/min schnaubte ich mit einer HF von 188 dem Stilfser Joch entgegen. Das die Temperatur um mich herum mittlerweile auf 7°C gesunken ist und ein ordentlicher Wind pfiff, habe ich gar nicht groß mitbekommen. Ich sorgte gerade selbst für ausreichend Wärme.

Oben am Stilfser Joch

Die letzten hundert Meter gingen erstaunlich gut und ich war heilfroh oben auf dem Parkplatz des Passes anzukommen. Die Trittfrequenz nahm wieder zu, die Straße legte sich wieder eben hin ich konnte endlich diesen persönlichen Triumph genießen. „Geschafft, du bist auf das Stilfser Joch geradelt!“

20150918131906_Stelvio_034

Ich stieg ab, machte ein paar Fotos und bemerkte langsam, wie sich die Kälte vom Wind getrieben in meine verschwitzten Sachen kämpfen möchte. Also schnell den Rucksack geöffnet und neben der langen Radjacke noch die Windjacke drüber gezogen. Oben hat man bereits auf mich gewartet – also vielleicht nicht unbedingt auf mich, aber auf hungrige Radler aus aller Welt, denn oben auf der Passhöhe steht die „höchste Bratwurstbude Europas“.

20150918130445_Stelvio_030

Das lass ich mir doch nicht zweimal sagen und genehmigte mir die Wurst mit Sauerkraut im Vinschgauer Brot mit Senf. Der Hammer!

20150918130609_Stelvio_031

Hinunter ins Val Müstair

Gut gestärkt und warm eingepackt klickte ich wieder ein, um mich Richtung Umbrailpass aufzumachen. Hinter dem Schutz der Häuser pfiff ein extremer Wind. Beim Abfahren mehrmals durch die Böen leicht versetzt zu werden, fand ich nicht wirklich lustig, daher ging ich auch keine unnötigen Risiken ein und ließ mich langsam Richtung Schweiz treiben. Der Kontrast hier auf der anderen Seite des Berges hätte nicht größer sein können. Schob ich mich zuletzt mit dutzend anderen Rad- und Autofahrern auf der Ostseite bergan, so lag hier nur eine einsame und karge Mondlandschaft vor mir.

Umbrailpass

Während ich angetrieben durch den Verlust an Höhenmetern dort durchfuhr, schossen mir erste Befürchtungen durch den Kopf: „Was ist, wenn die Grenzstation heute gar nicht geöffnet hat?“. In der Tat habe ich vorher gar nicht gecheckt, wie es nach dem Stelvio weitergeht. Wenn ich nun umkehren muss, bedeutet dies weitere 300 Höhenmeter wieder hochzukurbeln. Aber meine Zweifel wurden nicht bestätigt. Die Schweiz trat ja dem Schengener Abkommen bei und die Grenzstation hat durchgehend geöffnete Schranken.

Mondlandschaft am Umbrailpass

Ungemütlich blieb es auch weiterhin. Mir war kalt und der Wind ließ nicht nach. Dennoch hielt ich nochmals an, um die Gedenkstätte für die Mobilmachung der Schweizer Truppen 1914 zu fotografieren. Zum Lesen der Schilder war es mir deutlich zu frisch und so zog ich alsbald meine Handschuhe wieder an und rollte weiter bergab.

Abfahrt vom Umbrailpass

Auf der gesamten Strecke hinab begegnete ich lediglich 3 Motorräder sowie 2 PKW. Wer also die Ruhe beim Aufstieg zum Umbrail/Stilfser Joch sucht, der sollte in Erwägung ziehen von Santa Maria aus aufzusteigen. Die Straßen waren perfekt asphaltiert und so konnte ich zügig weitere Höhenmeter abbauen. Auch die Sonne kam langsam wieder durch die Wolkendecke und wärmte mich. Meine 4 Schichten Oberbekleidung bestehend aus Baselayer, Windstopper, Thermotrikot und Heliumjacke wollte ich dennoch nicht reduzieren.

Blick in das Val Mustair

Kurz vor Santa Maria kamen mir zwei Niederländer entgegen und fragten, ob es denn noch weit sei bis zum Ende dieser Straße. „Nein, nur noch 16km bergauf und 1.200hm“ sagte ich. Den Gesichtern nach zu urteilen wussten die beiden nicht auf welcher Straße sie sich da gerade befanden.

Santa Maria im Val Mustair

Von Santa Maria aus ging es dann mit etwas geringerem Gefälle Richtung Grenze. Die letzten 14km meiner Tour rollten mit durchschnittlichen -3% Neigung unter meinen Rädern hinweg und ich stand 4:30 h nach meinem Start wieder am Auto. Die reine Fahrtzeit ohne Pausen betrug gute 3:45h. Im Nachgang ärgerte ich mich ein wenig, direkt die erstbeste Möglichkeit zum Absteigen auf der Passhöhe genutzt zu haben. Das Stravasegment „Passo Stelvio“ endet nämlich nicht vorn beim Würstchenstand, sondern am Passschild hinter dem ganzen Touristenzirkus..

Am Auto bemerkte ich, dass ich immer noch in kompletter Montur bin und die Touristen wunderten sich doch sehr auffällig über den Radfahrer, der da bei 20°C mit 3 Langarmoberteilen dahergeradelt kommt..

Mein Fazit

Gerne wieder. Das Stilfser Joch ist für mich nach wie vor eine große sportliche Herausforderung. Ich empfehle jedem frühzeitig aufzubrechen und nach Möglichkeit wochentags ohne unnötig viel PKW-Verkehr zu fahren. Reizvoll ist sicher auch der Anstieg vom Umbrailpass aus, da er weniger stark befahren zu sein scheint. Da man zwischenzeitlich das Gebiet der EU verlässt, sollte man einen Reisepass mitnehmen. Ich brauchte meinen zum Glück nicht und wurde von einem freundlichen Grenzer in Müstair durchgewunken. Zudem kann das Wetter auf der anderen Seite des Berges komplett anders sein und man sollte kleidungstechnisch keine Experimente eingehen.

Ach ja – das Beitragsbild zu diesem Artikel habe ich vom Ortler aus aufgenommen. Unsere Wanderung zur Payerhütte wird es demnächst auch hier zu lesen geben.

4 Reaktionen auf Stilfser Joch (Stelvio) 2.798m und Umbrailpass

  1. Daniel sagt:

    Wirklich ein toller Beitrag, danke dafür. Ich glaube jeder der gerne mit dem Rennrad auch mal bergauf fährt, hat den Stelvio auf dem Plan. Dein Beitrag macht auf jeden Fall Lust auf mehr.

    Mein Einhorn ist ja der Mt. Ventoux … irgendwann muss ich da hin, hoffentlich kann ich da dann auch so einen tollen Beitrag mit heimbringen.

    • Daniel sagt:

      Vielen Dank dafür! Für mich war es nun nach mehr als einem halben Jahr auch wieder schön in die Erinnerung einzutauchen. Und ganz ehrlich, ohne die ganzen Daten, die man so während einer Fahrt aufnimmt (Leistung, HF, TF und vor allem GPS) hätte ich kaum 5 Sätze zusammen bekommen.

      Wegen dem Mt. Ventoux: Dieser Club des Cinglés du Mont-Ventoux ist doch nichts anderes als der französische Ableger von #allebekloppt oder? Da müssten sich doch ein paar vom #twitterbiketreff finden lassen wenn man das früh genug plant..

Trackbacks
  1. […] » Vorsicht! Absolute Fernwehgefahr! Stilfers Joch und Umbrailpass. […]

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.