Tesa 4289 Felgenband – mein neuer Favorit

Beheizbare Einlegesohlen für das Wintertraining

4. Februar 2018 Kommentare (2) Equipment und Technik

Carbonlaufradsatz im Eigenbau

Es kann keine zwei Meinungen darüber geben, dass ein neuer Carbonlaufradsatz die größtmögliche Aufwertung eines Rennrades ist. Durch keinen anderen Part (Rahmen ausgenommen) wird die Optik und das Fahrverhalten des Rades so sehr beeinflusst wie durch Laufräder. 

Seitdem ich mein Gravelbike besitze und seine Vorzüge auch als Schlechtwetter-/Allroadrad zu schätzen weiß, wollte ich einen zweiten Laufradsatz. Insbesondere meine Urlaube in Südtirol oder Österreich befeuerten mein Vorhaben. Anstatt ein zweites Fahrrad mitzunehmen oder für jede Ausfahrt die passenden Mäntel aufzuziehen einfach den LRS tauschen und Feuer frei!

Bereits im Winter 2016/2017 begann ich mit der Recherche nach einem passenden Laufradsatz. Die Bedingungen waren so einfach wie auch teuer:

  • nicht zu schwer
  • stabil genug für mein Körpergewicht
  • breites Felgenbett
  • ThruAxle und Scheibenbremse

Der Markt ist in diesem Segment leider noch sehr dürftig. Gerade die vielen „Standards“ bei discbrakes und deren Achsen grenzen die Ergebnisse stark ein. Die, die mir gefielen, waren leider viel zu teuer und die, die ich mir leisten konnte, waren sackschwer.

Da ich selbst gern bastele und noch ein Projekt für die dunkle Winterzeit suchte, keimte der Gedanke den Laufradsatz einfach selbst aufzubauen. Schnell wurden Komponenten in einer Excel-Tabelle nach Preis und Gewicht erfasst und es kam zur Qual der Wahl: gut und günstig mit Alufelgen oder vielleicht „wenn schon, denn schon“ etwas teurer, aber mit Carbon? Wer die Überschrift gelesen hat, kann sich seinen Teil denken. Wer nicht, kann den Titel jetzt nochmal lesen..

Carbonlaufradsatz im Eigenbau

Die Komponenten

Bei den Naben fiel die Auswahl auf die Novatec D711/D722 mit jeweils 28 Löchern. Maßgeblich für mich waren 3 Punkte: ordentliche Qualität, per Adapter auf andere Standards umrüstbar, günstiger Preis. Das Gesamtgewicht eines Laufradsatzes wird maßgeblich von den Naben beeinflusst. Jedoch muss man sich vor Augen führen, dass deren Gewicht genau im Kreismittelpunkt liegt und somit die Einflüsse der Rotation nur in sehr geringem Maße spürbar sind. 100g mehr in den Naben haben keinen solch deutlichen Einfluss auf das Fahrverhalten wie eine Felge, die 100g mehr wiegt (oder Reifen etc.). Ich hätte mit Ultraleichtnaben noch 150g sparen können, aber gemessen am Systemgewicht Fahrer+Rad macht das sicherlich nur im Promillebereich etwas aus. Zudem wollte ich robuste Naben mit Standardlagern.

Apropos robust – von 20/24 Speichen bei disc-brakes halte ich nicht viel. Die auftretenden Kräfte, insbesondere beim Bremsen müssen über die Bremse -> Nabe -> Speiche -> Felge abgeleitet werden. Hier wählte ich 28 Speichen mit einer 2x-Kreuzung. 

Die Felge war der nächste Part, den ich auswählte. Ich wollte unbedingt eine Carbonfelge haben, obwohl dies mein Erstlingswerk in Sachen Laufradbau darstellen sollte. Zudem bin ich überzeugter Fan des Fahrverhaltens von Reifen auf breiten Felgen und wollte auch entsprechend breite Reifen nutzen. Der Trend geht ja nun eindeutig Richtung >19mm Maulweite und ich wurde bei Yishunbike fündig. Die Kommunikation mit „Mickey“ war tadellos. Bestes Englisch und trotz der Zeitverschiebung angemessene Antwortzeiten. 

Eigentlich wollte ich deren WTD4C sowie WTD5C Felgen ordern mit 21mm Maulweite und 2,5mm Offset, allerdings sagte er mir ehrlich, dass dieses Modell zum Zeitpunkt der Bestellung gerade neu in den Katalog kam und die QC wohl noch nachbessern wolle. Es sollte noch eine Überarbeitung der Formen geben und danach müsse die Felge neu vertestet werden. Ich wollte jedenfalls kein Montagsmodell und entschied mich daher für die klassischen Felgen ohne Offset und habe es bisher nicht bereut. Die Felgen kommen mit 44mm und 55mm Höhe und wiegen 520g bzw. 555g.

Zum Versand: Bestellung und Zahlung per Paypal ging am 11.10.2017 über den Tisch. Am 18.10.2017 war das Paket über EMS bereits in Frankfurt am Main im Hauptzollamt eingegangen. Nach Anschreiben durch die GDSK habe ich die Zollanmeldung selbst durchgeführt und mir die Gebühren für die Abwicklung bei der GDSK gespart. Am 26.10.2017 wurden die Felgen zugestellt. Bei Fragen zur Zollabwicklung einfach mal die Kommentarfunktion nutzen, vielleicht mache ich darüber noch einen eigenständigen Blogpost.

Das Thema Speichen war eigentlich recht schnell gegessen. Wenn hohe Carbonfelgen, dann auch Messerspeichen. Wenn schon Chinacarbon, dann konsequent auch Chinaspeichen. Ich entschied mich also für die CN424-Speichen. Sie sollen nahezu die gleichen Eigenschaften wie die Sapim CX-Ray aufweisen und kosteten mich weniger als die Hälfte. Bei der Berechnung der Speichenlänge empfehle ich dringendst abzuwarten, bis die Felge im Hause ist und dann anhand dieser direkt zu vermessen. Oftmals sind die angegebenen ERD-Werte nicht 100% genau.

Die Nippel kamen von Sapim und um die Zuglast gleichmäßiger zu verteilen waren auch 08/15-Nipplewasher im Einsatz. Alle Preise verstehen sind inkl. Versandkosten bzw. Zollgebühren.

Teil Gewicht Preis   Teil Gewicht Preis
VR Nabe 140g 23,50   HR Nabe 269g 48,50
VR Speichen 119g 30,80   HR Speichen 120g 30,80
VR Felge 520g 196,43   HR Felge 555g 196,43
Nippel 9g 4,17   Nippel 9g 4,17
Nipplewasher 5g 4,31   Nipplewasher 5g 4,31
Summe 793g 259,21   Summe 958g 284,21

Macht in der Summe 1.751g für einen Hochprofillaufradsatz aus Carbon mit breitem Felgenbett und das zu einem Komplettpreis von 543,42€ inkl. Versand/Zoll.

Der Aufbau

Neben der Beschaffung der offensichtlichen Komponenten, habe ich mir über die Monate hinweg immer mal wieder notwendiges Werkzeug gekauft bzw. schenken lassen. Ich nutzte folgende Tools:

Nachdem ich die Nippelsitze der Felge rundum mit einem Q-Tip und etwas Leinöl geschmiert habe, fing ich an die erste Speiche einzufädeln. Ob die Zug-/Druckspeiche nun außen oder innen liegt, ist Geschmackssache, wenngleich esoterische Laufradbauer hier ganz genaue Vorstellungen haben, die in der Realität allerdings nicht spürbar sind. Ich habe es mir einfach gemacht und beim ENVE SES AR 4.5 abgekupfert. Würde Geld keine Rolle spielen, wäre es dieser Carbonlaufradsatz geworden – so wird immerhin das Einspeichmuster übernommen.

Carbonlaufradsatz im Eigenbau

Die ersten Speichen gehen mühelos einzufädeln und es sollte genug Luft sein, um auch die Nippel noch per Hand aufzuziehen.

Carbonlaufradsatz im Eigenbau

Nach der ersten Runde fängt das fragile System langsam an stabiler zu werden. Nun musste ich auch zum Einfädeln der Nippel einen Q-Tip verwenden. Manchmal nutzte ich auch eine alte Speiche. Bis zu diesem Schritt waren mir bereits 4 Nippel mitsamt Unterlegscheiben in der Hohlkammer der Felge verloren gegangen – mal gut, dass ich genug von beiden auf Lager hatte.

Carbonlaufradsatz im Eigenbau

Nachdem ich rundum alle Speichen eingehängt und eine Runde mit dem „Nippeldreher“ durchgegangen bin, war der Carbonlaufradsatz auch so stabil, dass ich mich erst einmal an das Ausschütteln der verlorenen Nippel und Washer machte – es dauerte ewig.

Das Zentrieren und finale Spannen nahmen tatsächlich die meiste Zeit in Anspruch. Beim ersten Rad dauerte dieser Schritt bestimmt 3h. Beim zweiten war ich etwas schlauer und zog per Nippeldreher nur soweit an, dass ich rundum noch einen Gewindegang der Speiche außerhalb des Nippels sehen konnte und arbeitete dann immer abwechselnd mit der Zentrierlehre und dem Tensiometer. Letzteren empfehle ich (zumal zu dem Preis) jedem, der sich selbst einen Carbonlaufradsatz aufbauen will. Am Ende entscheidet eine halbe Umdrehung am Nippel, ob die Speichenspannung perfekt ist oder mal schnell 10 % über der Herstellertoleranz liegt.

Ich habe mich hierzu einer Exceltabelle bedient, die anhand der Umrechnungsdaten mir ein gutes Bild über die Spannungsverteilung im Rad gab. Wer mag, kann sich die Excel-Datei gern hier herunterladen, jedoch ist die Nutzung auf eigene Gefahr.

Der Radsatz bekam nun noch eine Runde Felgenband vom guten Tesa 4289 spendiert und wurde mit den 28c-Mänteln von Continental bezogen und aufgepumpt. Hier war ich schon etwas gespannt, ob der Druck etwas am Felgenhorn auslöst, aber dahingehend waren alle meine Ängste unbegründet. Ich habe zunächst einmal knapp 5 bar eingepumpt und geprüft, ob der Mantel rundum sauber sitzt. Durch das Tesa 4289 konnte der Mantel auch gut ans Felgenhorn rutschen und ich musste nur etwas nachkorrigieren. 

Carbonlaufradsatz im Eigenbau

Der 28er GP4000sII baute bei der 19er Maulweite genau 31mm weit. Ich denke, ich werde ihn mit ca. 5,5-6 bar fahren. Ziemlich gut finde ich den Übergang von Felge und Seitenwand. Ideal wäre hier sicherlich ein 25er Reifen, bei dem die Seitenwände noch gerader stehen würden, aber ich will hier wie eingangs schon erwähnt bei den 28ern bleiben.

Carbonlaufradsatz im Eigenbau

Bei den Ventilen musste ich erstmals mit Ventilverlängerungen arbeiten. Ich habe mich (aufgrund der Farbe) für die von Schwalbe entschieden. Nach bisher knapp 7 Tagen konnte ich noch keinen signifikanten Luftverlust bemerken. Neben den Conti wide Schläuchen wird nun allerdings auch das kleine Tool zur Montage der Verlängerung in meinen „Technikbeutel“ in der Trikottasche wandern. Irgendwo mit defektem Schlauch liegen bleiben und mal eben den Schlauch vom Kumpel nehmen ist dann nicht mehr so einfach.

Carbonlaufradsatz im Eigenbau

Schade, dass das Ventil noch silbern ist. Wenn es nicht so uncool wäre, würde ich ja die schwarze Ventilkappe aufschrauben, aber das geht ja nun auch wieder nicht 😉

Wo Licht ist..

Ich will hier nicht nur die positiven Dinge aufzählen, sondern auch aufzeigen, was passieren kann, wenn man in Fernost bestellt. Eigentlich kann es auch bei Bestellungen aus Europa passieren, aber da wären die Retourkosten um einiges geringer.

Was ist passiert? Nachdem ich das Vorderrad bereits seit längerem fertig hatte, habe ich mich an die Montage des Hinterrades gemacht. Bei der vorletzten Speiche konnte ich allerdings das Speichengewinde nur ein klein wenig in den Nippel drehen bis sich die erste Spannung zeigte. Ich habe sofort die Speiche wieder herausgenommen um zu prüfen, ob die evtl. zu kurz war, aber die Speiche war OK. Erst das Durchleuchten zu zweit brachte das Problem ans Licht. 

Genau auf Höhe des Speichenloches war das Material innerhalb der Hohlkammer aufgeworfen (siehe Bild), wodurch der Nippel natürlich viel weiter entfernt von der Nabe war und die Speiche folglich „zu kurz“ war. Auf meine Mail an Yishun folgte ein weiterer, intensiver Austausch. Nach der Übersendung mehrerer Fotos an die Qualitätssicherung wurde mir empfohlen, die Stelle mit einem Fräser leicht abzutragen.

Carbonlaufradsatz im Eigenbau

Ich besorgte mir also einen Fräser mit möglichst rundem Kopf und schliff ganz vorsichtig den Grat um die Bohrung plan. Da ich nicht zu viel Material abnehmen wollte, habe ich daraufhin beschlossen an diesem Loch keine Unterlegscheibe zu verwenden und konnte so den Zusammenbau fertigstellen.

Wäre die Felge aus Europa gekommen, hätte ich sie retourniert. Bei Versandkosten von mehreren hundert Euro nach China wäre es allerdings günstiger eine neue Felge samt Zollgebühren zu kaufen. 

Ich persönlich mache mir darüber weniger Gedanken, da ich mich selbst davon überzeugt habe, dass genug Material vorliegt. Mir ist hierbei etwas mehr Material deutlich lieber, als eine zu dünne Stelle. Jedoch sollte man sich darüber im Klaren sein, dass für den Fall der Fälle etwas handwerkliches Geschick notwendig ist. 

Fazit

Alles in allem bin ich mit dem fertigen Laufradsatz extrem zufrieden. Zufrieden mit der Komponentenauswahl sowie mit meiner handwerklichen Arbeit. Man kann es nicht leugnen – etwas stolz bin ich auch. Jetzt heißt es allerdings noch eine ganze Weile warten, bis ich die ersten längeren Testfahrten mit dem neuen Carbonlaufradsatz im Eigenbau machen kann. Über die weiteren Erfahrungen werde ich hier im Blog berichten.

Carbonlaufradsatz im Eigenbau

 

2 Reaktionen auf Carbonlaufradsatz im Eigenbau

  1. Coole Sache! Und die Dinger sehen sehr schick aus 🙂

Trackbacks
  1. […] Ich habe bereits tolle Erfahrungen mit Einkäufen in Fernost gemacht. 1 MTB Carbon Rahmen, ein Rennrad Carbon Rahmen und ein Carbon LRS funktionieren noch immer einwandfrei. Daniel von Albis-Blog hat sich seinen Laufradsatz selbst aufgebaut und u.a. Felgen aus China importiert. Seinen lesenswerten Aufbauartikel findet ihr hier. […]

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